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Region: Germany

Stimmen Sie dafür, dass Geflüchtete grundsätzlich vom ersten Tag ihres Aufenthalts an arbeiten dürfen?

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Voting question

Stimmen Sie dafür, dass Geflüchtete grundsätzlich vom ersten Tag ihres Aufenthalts an arbeiten dürfen?

background

Ob Geflüchtete in Deutschland arbeiten dürfen, hängt von ihrem Aufenthaltsstatus ab. Wer als schutzberechtigt anerkannt ist, darf in der Regel ohne Einschränkung arbeiten. Für Menschen im laufenden Asylverfahren und für Geduldete gelten dagegen unterschiedliche Regeln. Sie brauchen die Zustimmung der Ausländerbehörde und teilweise auch der Bundesagentur für Arbeit.[1] Seit dem 12. Juni 2026 gilt ein neues Gesetz, mit dem Deutschland das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) umsetzt. Damit hat sich die Wartezeit verkürzt: Menschen im laufenden Asylverfahren und Geduldete mit geklärter Identität dürfen nun grundsätzlich schon nach drei statt nach sechs Monaten arbeiten. Ausgenommen sind unter anderem Menschen aus sicheren Herkunftsstaaten, Menschen im beschleunigten Verfahren und solche, die wiederholt oder in großem Umfang nicht mitwirken - etwa, indem sie ihre Identität verschleiern.[2][3] In der politischen Debatte geht manchen das nicht weit genug. Sie fordern, Arbeitsverbote ganz abzuschaffen und Arbeit vom ersten Tag an zu erlauben. Wer dafür ist, verweist auf fehlende Arbeitskräfte, auf Kosten und auf Integration. Wer dagegen ist, sieht Risiken für ein geordnetes Asylsystem. Dieses Hausparlament betrachtet die Frage aus drei Blickwinkeln.

Sub-questions

1. Inwieweit würde ein sofortiger Arbeitsmarktzugang der Wirtschaft und den öffentlichen Kassen nutzen?

Background: Im Juni 2026 waren bei der Bundesagentur für Arbeit rund 648.000 offene Stellen gemeldet.[4] Tatsächlich dürften es mehr sein, denn nicht jede freie Stelle wird gemeldet. Auf lange Sicht wird die Zahl der Arbeitskräfte in Deutschland ohne Zuwanderung deutlich zurückgehen: Die Bertelsmann Stiftung erwartet das bis 2040.[5] Menschen im Asylverfahren erhalten vom Staat Grundleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Eine alleinstehende erwachsene Person bekommt 2026 zum Beispiel 455 Euro im Monat. Wie hoch dieser Satz sein muss, ist rechtlich umstritten. Dazu kommen je nach Unterbringung Kosten für Wohnen, Verwaltung und Betreuung.[6][7][8] Wer sozialversicherungspflichtig arbeitet, zahlt dagegen Steuern und Sozialabgaben.

Pros

In Berufen mit Fachkräftemangel - etwa in Gesundheits- und Sozialwesen, Bau, Gastronomie oder Logistik - könnten offene Stellen schneller besetzt werden, statt vorhandene Qualifikationen ungenutzt zu lassen.

Wer arbeitet, zahlt Steuern und Sozialabgaben und ist weniger auf staatliche Leistungen angewiesen.

Je früher Menschen arbeiten, desto weniger verlieren sie an Qualifikation und Berufserfahrung, die sie in den Arbeitsmarkt einbringen können.

Cons

Die Wirtschaft läuft derzeit schwach, entsprechend werden weniger Arbeitskräfte gesucht. Vor allem bei einfachen Tätigkeiten kommen viele Arbeitsuchende auf wenige Stellen - die Konkurrenz könnte wachsen.

Viele Arbeitgeber könnten davor zurückschrecken, jemanden einzustellen, der womöglich bald wieder ausreisen muss. Die tatsächliche Wirkung könnte deshalb gering bleiben.

Arbeit entsteht oft dort, wo wenig gezahlt wird. Ein früher Zugang kann deshalb die Löhne drücken und zu unsicheren Arbeitsverhältnissen führen.

2. Inwieweit fördert ein früher Zugang zu Arbeit die Integration?

Background: Wie gut die Eingliederung in den Arbeitsmarkt gelingt, zeigt vor allem die Beschäftigungsquote - also der Anteil derjenigen, die arbeiten. Sie steigt, je länger Menschen in Deutschland leben. Von den 2015 zugezogenen Geflüchteten arbeiteten im ersten Jahr weniger als 10 Prozent. Neun Jahre später, im Jahr 2024, waren es 64 Prozent. In der Gesamtbevölkerung lag der Wert im selben Jahr bei rund 70 Prozent. Zwischen Männern und Frauen gibt es dabei große Unterschiede: Von den geflüchteten Männern arbeiteten 76 Prozent, von den geflüchteten Frauen 35 Prozent. Etwa die Hälfte der Beschäftigten aus dieser Gruppe arbeitet in systemrelevanten Berufen. Wer in Vollzeit arbeitete, verdiente 2023 im Mittel rund 2.675 Euro brutto im Monat.[9]

Pros

Arbeit gibt dem Alltag Struktur. Das kann Einsamkeit und seelischer Belastung während der oft langen Wartezeit vorbeugen.

Am Arbeitsplatz lernt man die Sprache, knüpft Kontakte und nimmt am gesellschaftlichen Leben teil.

Ein eigenes Einkommen macht selbstständig und unabhängig von staatlicher Unterstützung.

Cons

Ohne Sprach- und Integrationskurse nebenher kann ein früher Aushilfsjob Menschen dauerhaft in schlecht bezahlter Arbeit festhalten. Eine Arbeitserlaubnis allein genügt nicht.

Nicht jede Arbeit bedeutet gelungene Integration. Kurzfristige Jobs ersetzen keine dauerhafte Stelle, die zur Ausbildung passt.

Wird der Asylantrag später abgelehnt, kann die bereits geleistete Integrationsleistung der geflüchteten Person und der aufnehmenden Gesellschaft weniger sinnvoll erscheinen.

3. Inwieweit beeinflusst der Arbeitsmarktzugang von Geflüchteten den gesellschaftlichen Zusammenhalt?

Background: Als „Gesellschaftlicher Zusammenhalt" lässt sich die Fähigkeit einer Gesellschaft bezeichnen, trotz unterschiedlicher Interessen, Lebensweisen und Überzeugungen friedlich, solidarisch und nach gemeinsamen Regeln zusammenzuleben. In Umfragen sehen viele Menschen in Deutschland diesen Zusammenhalt unter Druck. Ein Beispiel dafür ist der „Radar Gesellschaftlicher Zusammenhalt" der Bertelsmann Stiftung. Der dort erhobene Gesamtwert sank zwischen 2017/2020 und Oktober 2023 um neun Punkte auf 52 von 100 möglichen Punkten. Damit liegt er zwar weiterhin in der oberen Hälfte der Skala, zurückgegangen sind aber alle untersuchten Bereiche. Kritisch bewertet wird vor allem die „Akzeptanz von Diversität" - also die Offenheit gegenüber Vielfalt und Zuwanderung.[10]

In diesem Zusammenhang ist es ein wichtiger Faktor, ob Geflüchtete arbeiten. Denn das beeinflusst, wie sie beispielsweise in der Nachbarschaft, im Betrieb oder im öffentlichen Raum wahrgenommen werden.[11][12]

Pros

Wenn Menschen sichtbar arbeiten, empfinden viele das als gerecht: Wer arbeitet und einzahlt, gilt eher als Teil der Gesellschaft.

Am Arbeitsplatz begegnen sich Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte im Alltag. Das kann Vorbehalte abbauen.

Werden Geflüchtete als Teil der arbeitenden Gesellschaft wahrgenommen, wirkt das pauschalen Urteilen entgegen und versachlicht die Debatte.

Cons

Wo Wohnungen oder Arbeitsplätze knapp sind, entsteht schnell das Gefühl von Konkurrenz. Das kann Vorbehalte verstärken.

Wird der Zugang geöffnet, bieten die Betriebe in der aktuellen Wirtschaftslage aber kaum Stellen an, bleiben Erwartungen unerfüllt. Das kann den Zusammenhalt zusätzlich belasten.

Akzeptanz hängt von vielem zugleich ab - etwa von der Sprache, der Dauer der Verfahren und dem Sicherheitsgefühl. Ein Zugang zur Arbeit allein ändert grundlegende Vorbehalte kaum.

Sources
  1. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2026): „Arbeitsmarktzugang für Geflüchtete". www.bmas.de/DE/Arbeit/Migration-und-Arbeit/Flucht-und-Aysl/Arbeitsmarktzugang-fuer-Gefluechtete/arbeitsmarktzugang-fuer-gefluechtete-art.html
  2. Die Bundesregierung (2026): Deutschland setzt Gemeinsames Europäisches Asylsystem um. www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/migration-geas-2382758
  3. Sachverständigenrat für Integration und Migration (2026): Erweitertes GEAS-Umsetzungspaket: SVR ordnet Maßnahmen ein. www.svr-migration.de/presse/erweitertes-geas-umsetzungspaket/
  4. Bundesagentur für Arbeit (2026): Arbeitsmarkt im Juni 2026, Presseinfo Nr. 22. www.arbeitsagentur.de/presse/2026-22-arbeitsmarkt-im-juni-2026
  5. Bertelsmann Stiftung (2024): Zuwanderung und Arbeitsmarkt – eine Analyse für Deutschland und die Bundesländer. www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2024/november/ohne-zuwanderung-geht-die-zahl-der-arbeitskraefte-in-deutschland-bis-2040-deutlich-zurueck
  6. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2025): Leistungssätze nach dem Asylbewerberleistungsgesetz ab 1. Januar 2026. www.bmas.de/DE/Soziales/Sozialhilfe/LeistungenAsylbewerberleistungsgesetz/leistungssaetze-asylbewerberleistungsgesetz.html
  7. Bundesgesetzblatt (2025): Bekanntmachung über die Höhe der Leistungssätze nach § 3a Absatz 4 des Asylbewerberleistungsgesetzes für die Zeit ab 1. Januar 2026. BGBl. 2025 I Nr. 251. www.recht.bund.de/bgbl/1/2025/251/VO.html
  8. Bundesministerium der Justiz (2026): Asylbewerberleistungsgesetz, § 3 Grundleistungen. www.gesetze-im-internet.de/asylblg/__3.html
  9. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2025): 10 Jahre Fluchtmigration 2015. IAB-Kurzbericht 17/2025. doku.iab.de/kurzber/2025/kb2025-17.pdf
  10. Bertelsmann Stiftung (2024): Gesellschaftlicher Zusammenhalt in Deutschland 2023. www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/gesellschaftlicher-zusammenhalt/projektnachrichten/gesellschaftlicher-zusammenhalt-2023
  11. Sachverständigenrat für Integration und Migration (2024): SVR-Integrationsbarometer 2024 - Integrationsklima 2024: Leichte Abschwächung des positiven Trends. www.svr-migration.de/publikationen/barometer/integrationsbarometer-2024/
  12. infratest dimap (2024): ARD-DeutschlandTREND April 2024. www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/ard-deutschlandtrend/2024/april/

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